Mittwoch, 13 November 2019

Ein Kapitel Volkskunde
 

Lehrer Gortner schreibt 1923 auch über Gebräuche und Sitten in Gimsbach. Es darf dabei nicht verwundern, daß diese auch in den meisten Dörfern des Westrich ganz ähnlich zu finden waren.

1. An den Festen:

Weihnacht: Schon einige Tage vorher gehen der "Nickelos", auch "Makolwes" genannt, und das Christkindchen von Haus zu Haus, singen und heischen Gaben. Der Polnische Bock war früher auch bekannt (Maske mit einer hölzernen Schüttgabel und einem darübergezogenen Tuche. Die vier Zinken der Gabel stellten die Hörner des Bockes dar). Die Redensart "der macht Aue wie e polnischer Bock" ist heute noch gebräuchlich. Der Christbaum wird meist im Walde entwendet und mit Glaskugeln und Kerzen geschmückt. Im Hause ist die Bescherung am Heilig Abend. Am ersten Feiertagmorgen werden bei Paten und Goten die Geschenke und das Zuckerzeug abgeholt. Der Wandertag ist all seiner ehemaligen Sitten und Gebräuche entkleidet worden.

Neujahr: Das Neujahrsschießen der Großen in der Sylvesternacht und der Kleinen am Neujahrmorgen wird fleißig betrieben und dabei "e borsch mit rore Hoor, e Bub mit schwarze Hoor, mehr Geld wie vorigs Johr" und dergleichen gewunschen.

Fasnacht: Ist nur durch den Geruch der in jedem Haus gebackenen Fasnachtsküchelchen gekennzeichnet. Eine Seltenheit ist es, wenn einmal ein kleiner Hosenmatz, mit bunter Papiermütze durchs Dorf läuft. Wer am Aschermittwoch zuletzt in die Schule kommt ist die "alt Fastnacht", der zweitletzte "Küchenschnusser" und der drittletzte "Tellerlecker". Am Gründonnerstag ißt man Grünes, Kohlkraut und Fleisch, sonst fressen einem die Raupen. Zwischen 11 und 12 Uhr muß man den Blumensamen säen, damit es besonders schön gefärbte Blumen gibt. Am Karfreitag kommt kein Fleisch auf den Tisch, meist Nudeln mit Dörrobst. Manche alten Leute fasten. Am Ostermorgen suchen die kleinen die vom Osterhasen gelegten bunten Eier und holen bei "Patte und Gore" ihre Eier ab.

Am 1. April schickt man die Narren hin wo man will. Manche leihen die Dachschere, andere wollen weißen Kienruß kaufen, wieder andere für 5 Pfennig "Owiedumm" etc.

Am 1. Mai ist Hexennacht. Mancher Bauernwagen hat am Morgen nur noch drei Räder und mancher Pflug grüßt vom Baum herab seinen Besitzer. Leider schleicht sich hie und da auch Unfug in die alte schöne Sitte des Hexens ein. Manchem lieben Mädchen wird auch noch der Maistrauß gesteckt.

An Pfingsten machen auf meine Anregung hin die Schulbuben wieder seit einigen Jahren ihren "Quack", führen ihn im geschmückten Karren durch´s Dorf, singen ihr Quacklied und heischen Eier oder Geld, die dann verteilt werden. (siehe Seite "Pfingstquack")

Zur Kirchweihfeier wird wie in allen Westrichdörfern, ein Stauß gemacht, derselbe im Umzuge durchs Dorf getragen und eine ulkige "Kerwepredigt" gehalten.
 
 

Bild aus der Festschrift zur 675 Jahrfeier des Dorfes Gimsbach  u. 250 Jahre Kirche
Gimsbacher Straußjugend beim Kerweumzug 1950
 

Die drei ersten Tänze gehören den "Straußbuwe" und "Straußmäd". Am Montagmorgen bringt die Musik vor jedem Haus ein Ständchen und die Burschen sammeln Geld und Eier. Am Nachmittag wird auf einer Wiese der Kranz heraus getanzt und am Dienstag die Kirchweihe begraben.

 

2. Bei der Arbeit:

Beim Setzen der Dickwurzelpflänzchen hilft man sich gegenseitig aus. Früher gab es dabei Kaffee und Kuchen, heute ist das nicht mehr Sitte.

Dagegen werden beim Einkochen der Latwerge, was oft die ganze Nacht durch währt, noch Kaffee und Kuchen aufgetischt."

Kurt Schenkel, der an der Gimsbacher Ortschronik arbeitete, hat 1990 auch drei Interviews mit älteren Bewohnern des Dorfes geführt und die Ergebnisse schriftlich niedergelegt. Die Anhörung dieser "Zeitzeugen" brachte ebenfalls interessante Einzelheiten zur dörflichen Volkskunde zutage. Es waren dies Jakob Brauchler, Landwirt, damals 70 Jahre, Ludwig Drumm, ebenfalls Landwirt, damals 87 Jahre und Martha Stemler, damals 86 Jahre alt.

Frau Stemler stammte aus einer katholischen Familie. Sie wußte zu berichten, daß damals die Wocheneinteilung beim Essen immer eingehalten wurde. Mittwochs und Freitags waren grundsätzlich fleischlos, wobei es Freitags immer Mehlspeisen gab, Mittwochs vorwiegend "Knöpfe". Samstags gab es Suppe, meist Hülsenfrüchte. Das Essen wurde gemeinsam an einem Tisch eingenommen; es gab eine festgelegte Tischordnung, wobei der Vater immer an der Stirnseite saß.

Die Kerwe war das wichtigste Fest im Jahr. Verwandte, Bekannte, Freunde kamen in großer Zahl, meist schon zum Mittagessen. Es gab Suppe, Fleisch, Gedrückte und Sauerkraut, sowie Merretich. Vorher wurde alles aufgeputzt, sogar die Räume getüncht. Kuchen wurde schon Freitags gebacken; abends gab es auch warmes Essen.
 
 

Bild aus der Festschrift zur 675 Jahrfeier des Dorfes Gimsbach  u. 250 Jahre Kirche
Eine Besonderheit: 2 Kerwesträuße Anfang der 60er Jahre
 

Den Kerwestrauß holten die "Buwe" im Wald, aber auch die "Staußmäd" halfen beim Schmücken. Es gab neue Anzüge und Kleider. Die Haare der Mädchen wurden selbst frisiert mit dem Brenneisen. Es spielte immer eine fremde Kapelle; im Saal gab es meist nur Flaschenwein.

An Weihnachten war die Bescherung an Heilig Abend, jedoch waren die Geschenke in ihrer Jugend sehr klein. Es gab Nüsse, Äpfel, selbstgebackener Lebkuchen und eventuell noch "Zuckergebackenes" aus Mutters Küche. Der Weihnachtsbaum wurde bei der Gemeinde gekauft. Die Kinder erhielten von den Paten und Goten kleinere Geschenke wie Kerzen, Taschentücher, seltener Porzelan usw.; diese Geschenke kamen erst später auf.

An Neujahr durften die Kinder aufbleiben bis ins neue Jahr: mit Handschlag wünschte man Prosit und ein "langes Leben", auch noch am nächsten Tag den Nachbarn und Bekannten, Kinder kamen ins Haus, sagten Sprüche auf, bekamen ein kleines Geldgeschenk. Das ist noch heute so.

Aus dem Dorfleben wußte Frau Stemler zu berichten, daß das "Maien" früher allgemein üblich war. Man traf sich besonders mit den Nachbarn und Verwandten, strickte und erzählte natürlich viel.

Bei Eheschließungen wurde noch in die Kirche gelaufen, bei den Katholiken auf den Remigiusberg. Hochzeitsfeiern fanden im Haus statt. Der Bräutigam trug grundsätzlich einen dunkelen Anzug, die Braut ein weißes oder dunkles Kleid; ein kleiner Schleier war üblich. Durch ein Seil wurde der Brautzug aufgehalten, mußte sich mit kleinen Geschenken freikaufen. Das Brautpaar bekam Hochzeitsgeschenke, meistens für den Hausstand oder Einrichtung. Früher hieß es durch Erzählung der Mutter, die N.N. hat zwei oder drei Leiterwagen voll Aussteuer gebracht, je mehr Wagen voll, umso reicher die Braut. Bei den armen Leuten und Kleinbauern reichte ein Wagen.

 
 

Bild aus der Festschrift zur 675 Jahrfeier des Dorfes Gimsbach  u. 250 Jahre Kirche
Hochzeitszug zur Kirche 1950; Hintergrund: Anwesen Drumm
 

Früher wurde sich vorwiegend in der Küche aufgehalten, im Winter brauchte man keine besondere Beheizung. Es gab in manchen Häusern auch noch in der "gut Stubb" hinter einem großen Vorhang das Bett der Großeltern (den sog. Alkoven).

Aus Erzählungen weiß sie noch, daß früher weißer Sand auf Holzdielen gestreut wurde, und wenn er schmutzig war, zusammengekehrt und erneuert wurde. Damit reinigte man auch den Boden. Ihre Mutter machte beim Brotaufschnitt, fast nur Sechspfünder, immer zuerst mit dem Messer ein Kreuz über dem Brot. Es gab auch Gerichte mit einer großen Schüssel auf dem Tisch, aus der alle "spießten". War die Schüssel leer, gab es gutes Wetter. Sie war meistens leer. Frau Stemler erinnerte sich auch daran, daß früher zur Aussteuer der Braut auch das Totenhemd mit Stickerei gehörte.

Für den Mann wurde auch eins verfertigt durch die Dorfnäherin, die früher ins Haus kam. Es gab auch eine Leichenfrau aus Steegen, die zur Waschung der Toten gerufen wurde und neben einem kleinen Geldbetrag noch die Wäsche des Toten und das abgezogene Bettzeug erhielt. Der Tote blieb im Bett, wurde neu angekleidet, eine kleine Öllampe brannte im Zimmer. Die große Uhr wurde angehalten, der Spiegel zugehängt. Totenwachen sind ihr nicht mehr bekannt. Es gab früher als Grabschmuck vor allem Perlengränze, die im Haus aufbewahrt wurden; das "Leichtims" fand im Hause statt, eine Stube wurde dazu ausgeräumt, die Nachbarn halfen mit.

Bei der Geburt eines Kindes wurde der Vorname geheim gehalten. Besucher brachten der Kindbettnerin früher Kaffee und Zucker mit, es gab insgesamt nur wenig Paten und Goten.

Ergänzendes wußte Herr Ludwig Drumm, damals 87 Jahre alt, zu erzählen:

Als einziger Verein im Ort bestand der Gesangverein: Uniformen und Mützen gab es dabei nicht. Vom Spätherbst bis Frühjahr wurde wöchendlich zweimal geprobt.

Bis zum 1. Weltkrieg wurde in Gimsbach noch Totenwache gehalten; man sagte der Verstorbene liegt auf dem "Schäb". Sie begannen nach der Fütterungszeit und gingen bis zum Morgengrauen. Es waren durchweg Männer im Zimmer aus der Verwandschaft oder Nachbarschaft, es gab Bier und Käse, bei reichen Bauern mal auch Wein. Mancher war schließlich betrunken, weil es ja etwas für nichts gab und die Sache artete sich aus. Die Frauen saßen derweilen in der guten Stube und besprachen den weiteren Ablauf des "Leichtims". Die Beerdigung erfolgte ab dem Sterbehaus. Der Tote wurde in der "Lad" auf zwei Stühlen vor die Treppe gestellt, die Trauergemeinde versammelte sich und der Pfarrer hielt eine Rede, die Schuljugend, vom Lehrer dirigiert, sang. Während sich der Leichenzug zum Friedhof bewegte, putzen daheim schon die Frauen aus der Verwandschaft und Nachbarschaft das Zimmer und räumten alles aus, bzw. mit Stühlen und Tischen wieder ein. Während der Gangzeit des Trauerzuges läutete die Glocke. Kinder am Wegrand, in Sichtweite durch den Lehrer aufgestellt, gaben die Zeichen. Die Gangordnung im Trauerzug waren Männer, Schuljugend, Lehrer und Pfarrer vor dem Sarg, Hinterbliebene und Frauen hinter dem Sarg. Die Kinder trugen auch die Bukette und Kränze, die im Sterbehaus abgegeben worden waren. Gekaufte Kränze gab es damals nicht, sie wurden selbst gebunden. Im Sterbehaus fand dann für Verwandte und Bekannte das "Leichtims" statt. Es gab Kaffee und Kranzkucken, Zucker-u. Bundkuchen. Es wurde grundsätzlich selbst gebacken und auch noch Kuchen an Alte und Kranke im Dorf verteilt. Die Geladenen erhielten beim Weggang noch Kuchen in ein Tuch eingepackt, mit auf den Weg. Je reicher der Verstorbene, desto größer war das "Leichtims". Am längsten blieben, hauptsächlich bei reichen Bauern, der Pfarrer und der Lehrer.

Der "Wannerschdach" am 27. Dezember war auch hier bekannt. Die jungen Burschen halfen den Mägden beim Wandern mit ihrer Kiste, wenn sie sich einen neuen Dienstherrn gesucht hatten. Sie erhielten dafür einen Schnaps.
 

 
Quelle: Festschrift zur 675 Jahrfeier des Dorfes Gimsbach  u. 250 Jahre Kirche
             "Zwischen Glan und Potzberg", Dieter Zenglein, Dittweiler

 

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