Mittwoch, 13 November 2019

Höhen und Tiefen in der Ortsentwicklung

Rückblick auf 30 Jahre Wettbewerb:

"Unser Dorf soll schöner werden"

 

Wie schnell sich ein Ortsbild in possitiver wie auch in negativer Hinsicht verändern kann, zeigt der Wandel des Ortes Gimsbach in den vergangenen 30 Jahren.

Zwischen 1960 und 1970 hatte das damals schon schmucke Dörfchen eine "Blütezeit" um die es vielerorts beneidet wurde. In einer vielleicht beispiellosen Aktion wurde von dem Gemeindebeamten Karl Klinck in der damals noch selbstständigen Gemeinde eine Welle der Begeisterung für die Verschönerung des Dorfes ausgelöst. Der gesamte Ortsbereich strahlte unter einem Blumen-u. Sträucherschmuck. Die Häuser bekamen binnen kurzer Zeit fast zu 100% einen neuen Anstrich. Der Lohn für die Gemeinde und ihre Bürger waren Silbermedaillen im Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" auf allen Bewertungsebenen von der Hauptklasse bis zum Bundessieger. Als Höhepunkt in der Gimsbacher Ortsgeschichte konnte der frühere Ortsbürgermeister Albert Müller nach dem Wettbewerb 1965 aus den Händen des damaligen Bundespräsidenten Lübke in Bonn-Bad-Godesberg als Bundesssieger die Siegerplakette in Gold in Empfang nehmen.

 

Bild aus der Festschrift zur 675 Jahrfeier des Dorfes Gimsbach  u. 250 Jahre Kirche
Überreichung der Siegerplakette an Ortsbürgermeister Albert Müller
 

Zwei große Ereignisse in der Gimsbacher Ortsgeschichte sind im Protokollbuch des Männergesangvereins niedergeschrieben. 1964 und 1965 wurde die Gemeinde Gimsbach im großen Saal des Kurfürstlichen Schlosses in Mainz, das aus den beliebten Fernsehsendungen: Mainz wie es singt und lacht, die Siegermedaillen als Landessieger der Hauptklasse (1964) und als Landessieger in der Sonderklasse (1965) verliehen.

Die Straßen des damals 200 Einwohner zählenden Gimsbach waren bei diesen beiden Anläßen wie leergefegt, so viele Einheimische fuhren mit nach Mainz, um das festliche Rahmenprogramm mitzugestalten. Der MGV brachte jeweils 2 Liedvorträge zu Gehör. Die Landfrauen Rosel Hundt und Christel Klein trugen 1965 einen Sketch vor.

Anläßlich der beiden Erfolge fanden auch im Saale Neu 2 Dorfgemeinschaftsabende statt. Besonders groß gefeiert wurde nach dem Sieg in der Bundesklasse 1965. In einem großartigen Programm spielten Jakob Brauchler als "Emil, ein einheimischer Rentner", Erwin Stemler als "Schorsch, ein einheimischer Bauer", und Rolf Schneider als "fremder Autofahrer" einen Sketch von Herbert Weis: "De Gimilo un es alte Schloss". Helmut Hundt stellte sich als:"Dorfbüttel" vor. Neben der gesanglichen Umrahmung durch den MGV wirkte noch eine Zithergruppe aus Reichenbach und der Jungbläserchor aus Kaiserslautern mit.

Danach ging es bergab. Bedingt durch den rasanten Rückgang der Landwirtschaft und der Veräußerung verschiedener Anwesen drohten einige Häuser zu verfallen. Die Ortsdurchfahrt wurde immer holpriger und löchriger, weil sich der dringend notwendige Ausbau der B423 rund 30 Jahre hinzog. Darunter litt das Gimsbacher Ortsbild so sehr, daß an weiteren Teilnahmen beim Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" nicht mehr zu denken war.

Die Talfahrt hielt an bis etwa 1980. In den folgenden Jahren setzte sich eine schleichende Entwicklung zum Besseren ein.

1984 wurde das Dorfgemeinschaftshaus gebaut. Die Gimsbacher Bürger hatten erheblichen Anteil an der Errichtung dieses Hauses. Neben umfangreichen Eigenleistungen hat sich auch der Vereinsring an dieser Gemeindeeinrichtung finanziell beteiligt. 1989 bis 1991 wurde das Schwimmbad saniert, und mit einer Solaranlage ausgestattet.

Gimsbach war nun um zwei wertvolle Einrichtungen reicher geworden, wofür dem Gemeinderat der inzwischen neugebildeten Ortsgemeinde Matzenbach Dank gebührt. Diese beiden Projekte waren jedoch sehr kostenträchtig und mitverantwortlich für die heute desolate finanzielle Situation im Gemeindehaushalt.
 
 

Bild von einer Grußkarte von Gimsbach
Ortsmitte mit Dorfbrunnen und früherem Haus "Köhler", später Zaun.

 

Wichtig für die Aufwärtsentwicklung war damals aber auch eine Maßnahme der Landesregierung, die im Interesse der allgemeinen Ortsentwicklung unter dem Programm Dorferneuerung einen Fördertopf einrichtete, aus dem kommunale und private Investitionen gefördert wurden.

Die Verbandsgemeinde Glan-Münchweiler war eine der ersten Verbandsgemeinden, die ihren angehörigen Ortsgemeinden die Dorferneuerung in diesem Sinne schmackhaft machte. Die Ortsgemeinde Matzenbach war eine der ersten Ortsgemeinden, die auf ihren Antrag hin als

Schwerpunktgemeinde anerkannt wurde und deshalb für die eigenen Maßnahmen wie auch für die Privatmaßnahmen im Dorf eine wesentlich günstigere Bezuschußung erhielten.

Aus Mitteln dieses Fördertopfes flossen in den Folgejahren erhebliche Zuschüsse nach Gimsbach, die für viele öffentliche und private Maßnahmen bewilligt wurden. Die Folge war, daß innerhalb von 10 Jahren das Ortsbild in beachtlicher Weise aufgewertet wurde.

Ähnlich wie bei den früheren Erfolgen im Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" war es 20 Jahre später wiederum ein Gemeindebeamter, der großen Anteil an der possitiven Entwicklung des Ortes hatte. Diesmal war es der Gimsbacher Werner Jung, damals Bauamtsleiter bei der Verbandsgemeindeverwaltung Glan-Münchweiler der von Verbandsbürgermeister Klaus Müller volle Rückendeckung erhielt, um möglichts viele Förderanträge in die Bezuschussung zu bekommen.

Der emsige Verwaltungsbeamte war für diese Aufgabe auch der richtige Mann. Er ging im Grunde von Haus zu Haus und informierte die Ortsbewohner die die Voraussetzungen erfüllten, über die Zuschußmöglichkeiten für ihre Privatinvestitionen. Und er hatte damit Erfolg, wie viele renovierte Gebäude mit erhaltenswerter Bausubstanz heute beweisen.

Eine Person muß in diesem Zusammenhang besonders herausgestellt werden.

Ortsbürgermeister Helmut Christoffel aus dem Ortsteil Matzenbach hat sich in hervorragender Weise für die gemeinsamen Belange für die Matzenbacher und Gimsbacher Bürger eingesetzt und sich bei allen Gelegenheiten um die gegenseitige Anerkennung der Bürger in beiden Ortsteilen bemüht.

Maßnahmen in Gimsbach hat er ebenso unterstützt wie solche in Matzenbach.

Aufgrund seines stets objektiven Augenmaßes ist sein Name bis heute mit hoher Wertschätzung verbunden.

Als 1995 der Ausbau der Ortsdurchfahrt fertiggestellt war, strahlte Gimsbach plötzlich wieder in vollem Glanze. Die lange Wartezeit auf diese Maßnahme wurde mit einer sehr aufwendigen Straßenbaumaßnahme durch den gesamten Ortsbereich belohnt.

 

Bild aus der Festschrift zur 675 Jahrfeier des Dorfes Gimsbach  u. 250 Jahre Kirche
Der alte Dorfbrunnen 1964 zwischen Milchhäuschen und alter Linde

 
Einer erneuten Teilnahme am Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" nach rund 30 Jahren Abstand stand nichts mehr im Wege. Durch die neue Ortsdurchfahrt und beispielhafte Anstrengungen in der Dorferneuerung von Seiten der Ortsgemeinde, der Verbandsgemeinde und der Gimsbacher Bürger ist der Ort inzwischen wieder vorzeigefähig geworden und errang 1996 auf Anhieb wieder Siege in der Hauptklasse und im Bezirksentscheid.

Wie es diesmal in der Begründung der Bewertungskommission heißt, besticht Gimsbach "durch seine reizvolle Lage im nordpfälzer Bergland". Die Gemeinde habe habe die Bedeutung ihrer intakten Kulturlandschaft erkannt und richtig auf ihre Erhaltung reagiert. Die ländlich geprägte Ortslage lade zue Erkundung ein.

"Dabei", so die Kommission, "bieten gut erhaltene und renovierte Hofanlagen im Wechsel mit gepflegten Bauerngärten und natürlich gestalteten Höfen und Plätzen dem Betrachter ein harmonisches Dorfbild". Eine "zurückhaltende Gestaltung im gesamten Ortsbereich" betone den ländlichen Charme der Gemeinde und lasse darüberhinaus das Selbstverständnis der Bürger im Umgang mit dem ehemals reinen Bauerndorf erkennen.

Das kleine Solarbad bezeichneten die Bewerter als "Attraktion des Dorfes", zumal es "liebevoll gestaltet" sei.

Gartenbauamtsrat Weckerle von der Kreisverwaltung Kaiserslautern wird sich über dieses Bewertungsurteil freuen. Nach den großen Erfolgen von 1964 und 1965 nannte er im Heimatkalender Stadt und Landkreis Kaiserslautern, 1967, Seite 41-43 Gimsbach eine "Perle" unter den Deutschen Landgemeinden.

Nicht zuletzt war diese Einschätzung des kleinen Dorfes am Fuße des Potzberges durch den damaligen Vertreter der Kreisstadt Kaiserslautern ein Grund dafür, daß der Landkreis Kaiserslautern im Jahr 1969 im Zuge der Gebietsreform in Rheinland-Pfalz Gimsbach partout nicht abgeben wollte.

 
 
Quelle: Festschrift zur 675 Jahrfeier des Dorfes Gimsbach  u. 250 Jahre Kirche

 

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